Simultaneum

Michaelpoppenricht war im 18. und 19. Jahrhundert eine Filiale, also Tochtergemeinde der Stadtpfarrei Sulzbach. Mit Rosenberg zusammengelegt wurde sie von dort durch einen zweiten Kaplan, den sogenannten Landcooperator, betreut. Die Gottesdienste fanden dabei jeweils abwechselnd in beiden Orten statt. Durch die Errichtung der Maxhütte stieg die Einwohnerzahl von Rosenberg sprunghaft an, sodass man dort im Jahre 1899 eine eigene Expositur, eine ausgelagerte Seelsorgestelle, errichtete, von der aus nunmehr auch Poppenricht betreut wurde. Zwölf Jahre später erbaute man wegen der angewachsenen Seelenzahl auch in Poppenricht ein Expositurgebäude, in das Kaplan Joseph Wenkmann, der die Kirchengemeinde bisher von Rosenberg aus betreut hatte, im Januar 1912 übersiedelte. Somit hatte nun Poppenricht seinen eigenen Seelsorger, obwohl es nie förmlich zur Expositur erhoben wurde. Pfarreilich gehörte Poppenricht immer noch zu Sulzbach, wenngleich der hier exponierte Seelsorger ein großes Maß an Selbständigkeit besaß.

Dies änderte sich erst mit der Erhebung der Filiale Michaelpoppenricht zur selbständigen Pfarrei am 31. Oktober 1922. Bald darauf wurde Joseph Wenkmann zum ersten Pfarrer der Pfarrei Michaelspoppenricht installiert. Sein Nachfolger Josef Lanzinger erreichte, dass die 1870/71 neuerbaute Pfarrkirche am 15. Mai 1938 endlich die bischöfliche Weihe durch Erzbischof Michael Buchberger erhielt, die ihr wegen der simultanen Mitbenutzung durch die evangelisch-lutherische Gemeinde damals versagt geblieben war. 1961 wurde das Simultaneum notariell aufgelöst, wobei die evangelische Kirchengemeinde die Pfarrkirche und das Gelände des Friedhofs übernahm. Im folgenden Jahr begann Pfarrer Josef Knott mit dem Bau des neuen Gotteshauses.

  • Ehemalige Simultankirche mit Friedhof

  • Ehemalige Simultankirche

  • Ehemalige Simultankirche

Neubau der Pfarrkirche

Im Namen des dreifaltigen Gottes, beginne dieser Bau. Möge der Patron der Kirche, der heilige Erzengel Michael, Kirche und Gemeinde beschützen und bewahren. Möge dieses Gotteshaus der geistige Mittelpunkt der ganzen Pfarrgemeinde werden.

In den Jahren 1962 bis 1964 wurde unter Pfarrer Josef Knott am östlichen Ortsrand von Poppenricht nach Plänen des Architekten Richard Dagostin die kath. Kirche St. Michael errichtet. Grund dafür war die rege Bautätigkeit nach dem Krieg, welche die Seelenzahl der Pfarrei sprunghaft hatte ansteigen lassen. Das bisher simultan genutzte Gotteshaus in der Ortsmitte ging in den Alleinbesitz der evangelischen Kirchengemeinde über, womit auch das letzte Simultaneum einer Pfarrkirche im Bistum Regensburg sein Ende gefunden hatte.

Die künstlerische Ausgestaltung der Kirche lag in den Händen von Prof. Wolfgang Mahlke aus Würzburg. Er schuf zusammen mit Studenten das große Sgraffito über dem Portal, entwarf u. a. das Marienfenster in der Turmkapelle, die Christophorusdarstellung an der Straßenseite, den Wandteppich, den Kreuzweg, das Vortragekreuz aus Email, das Kirchengestühl und die Fenster an der Ostseite. Der rechteckige Hallenbau der Pfarrkirche wird überragt von einem schlichten, 34 Meter hohen Turm. Die vier Glocken stammen aus der Gießerei Hofweber aus Regensburg.

  • Grundsteinlegung

  • Grundsteinlegung

  • Rohbau

  • Rohbau

  • Rohbau

Dreifaltigkeitsglocke

Gott Vater, Dir zur Ehre, Gott Sohn, dem Satan wehre
und Gottes Geist erfülle uns!

1700 kg

Michaelsglocke

Wer ist wie Gott, so ist dein Nam’, in Gottes Kraft sei es getan;
wir Christen sein zum Kampf bereit, hilf’ uns zur ew’gen Seligkeit!

1200 kg

Muttergottesglocke

Durch dich, Maria, Christus kam,
nimm’ uns als Kinder gnädig an!

700 kg

Josefsglocke

Werkmann Gottes, Josef, treu,
hilf uns bauen Gottes Welten neu!

500 kg

  • Glockenweihe

  • Glockenweihe

Bevor der Besucher die Kirche betritt, sticht ihm ein großflächiges Sgraffito (Putzfresko) über dem Portal ins Auge. Es stellt das Jüngste Gericht dar und will den Kirchgänger ermahnen, sich um ein gutes Leben zu mühen. Der Erzengel Michael, der Kirchenpatron, scheidet mit dem Kreuzstab die Erlösten von den Verdammten. Darüber steht der in Herrlichkeit wiederkehrende Christus als Weltenrichter.

Im Kircheninnenraum richtet sich der Blick zunächst auf den Altarraum. Zum Altar, einem schlichten Opfertisch aus schwarzem Marmor, führen einige Stufen. Davor befindet sich das Taufbecken. Die Altardarstellung besteht aus einem großflächigen Fließband, in das in Mosaikform der wiederkommende Christus, die Hand des himmlischen Vaters, und die Heilig-Geist-Taube eingefügt sind. Am Beginn des Bandes befindet sich der Tabernakel. Links davon ist eine Statue des Kirchenpatrons, des Hl. Erzengels Michael, angebracht, der als Streiter Gottes das Böse besiegt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Kreuzigungsgruppe mit einem großen Kruzifix, das an die Erlösungstat Christi erinnert. Zu seinen Füßen steht eine barocke Figur der Schmerzensmutter, die noch aus der alten Kirche stammt, und eine neu angefertigte Johannesfigur. Den Kreuzweg im Steinmosaik an der Westseite umrahmt ein zweites Fließband. Am Beginn des Kreuzweges befindet sich eine sogenannte „Mondsichelmadonna“, welche aus der alten Michaelskirche stammt. Neben dem 2005 neu errichteten Ambo befinden sich zwei aus Südtirol stammende Figuren der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Der Seitenaltar an der Fensterseite mit einer Madonna aus dem Würzburger Raum ist als Marienaltar gestaltet

Einen Kontrast zur nüchternen Architektur des Innenraumes bildet die großartige Lichtwand an der Ostseite mit ihren über 200 verschiedenfarbigen Gläsern. Fünf Bildstreifen geben Szenen aus der Heiligen Schrift wieder (siehe gesonderte Beschreibung der Fenster). Bei der Gestaltung der Fenster hat die lateinische „biblia pauperum“ (Bibel der Armen) des Mittelalters Pate gestanden, bei der man mittels Bilder der breiten Masse, die des Lesens nicht kundig war, das Heilsgeschehen nahe brachte

Die Kapelle im Erdgeschoss des Turmes ist als Gedenkkapelle ausgestaltet. Die Gedenktafeln mit den Namen der Verstorbenen der beiden Weltkriege waren früher an der alten Michaelskirche angebracht. Auch eine Tafel mit den Namen der Priester, die in der Pfarrei wirkten, sowie der Kreuzweg aus der alten Pfarrkirche sind neben der Stiftertafel in der Turmkapelle zu finden.

  • Sgrafitto über dem Portal

  • Innenraum

  • Innenraum

Die neue Pfarrkirche wurde am 5. April 1964 von Weihbischof Josef Hiltl eingeweiht. Auch ein neues Pfarrhaus entstand. Das alte Pfarrhaus wurde 1963 an die Gemeinde Poppenricht verkauft und bis zum Neubau als Rathaus genutzt. Heute zählt die Pfarrei St. Michael Poppenricht knapp 2700 Seelen und umfasst die Orte Poppenricht, Traßlberg, Witzlhof, Altmannshof, Häringlohe, Wirnsricht, Neuhof sowie Ortsteile Schäflohe und Karmensölden, die seit der Gebietsreform kommunalpolitisch zu Amberg gehören.

Die Poppenrichter Pfarrer

  • 1907-1932

     

    Pfr. Josef Wenkmann

  • 1932-1940

    Pfr. Josef Lanzinger

     

    1932-1940

  • 1940-1944

     

    Pfr. Josef Steinbauer

  • 1945-1959

    Pfr. Josef Zimmerer

     

    1945-1959

  • 1959-1979

     

    Pfr. Josef Knott

  • 1979-1989

    Pfr. Wolfgang Traßl

     

    1979-1989

  • 1989-2004

     

    Pfr. Konrad Kummer

  • 2004-2009

    Pfr. Thomas Renner

     

    2004-2009

  • 2009-2013

     

    Pfr. Johann Schneider

  • seit 2013

    Pfr. Dominik Mitterer

     

    seit 2013